Im September 2026 steht der Circus Synaesthesia blau wieder vor dem Dom zu Lübeck und präsentiert das Stück "Recto Verso".
Der Kartenverkauf wird vier Wochen vor Beginn geöffnet sein.
Termine :
17.09.2026
18.09.2026
19.09.2026
20.09.2026
24.09.2026
25.09.2026
26.09.2026
27.09.2026
Der Circus Synaesthesia blau ist ein zeitgenössischer Zirkus der Artistik, Theater, Tanz und Musik mit bildenden Künsten vereint. In seinen Stücken wird auf poetische Weise Artistik mit Physical Theatre zu feinen Geschichten verwoben.
Der Circus Synaesthesia blau ist eine Kooperation des Paravicini Circustheaters mit dem Verein K.206 Kunst, Kultur und Inklusion e.V. und hat seine Heimat in der Hansestadt Lübeck.
Seine Gründung fand 2016 statt, wo auch das erste Stück Ouvertüre -und dann und wann ein weißer Elefant Premiere hatte.
2024 folgte das zweite Stück Zampanos Welt, welches vor dem Dom zu Lübeck im Zirkuszelt gespielt wurde.
Fotos: Constanze Martini
Kreation 2024
Zum Stück: Zampano lebt in seiner sehr eigenen Welt und beobachtet lieber nur vom Fenster aus, was draußen geschieht. Tag für Tag wird er etwas knorriger. Bis auf einmal ein heftiger Windstoß alles durcheinander bringt und es Zeit wird, selbst etwas zu wagen!
Ein Stück voller Poesie indem das fröhliche Spiel und die Lebensfreude der Artisten mitreißen und alles, was verstaubt und unveränderbar erschien, zum drehen bringen.
Vorstellungen 2024:
26.09.2024 19:30 Uhr Premiere
27.09.2024 18:00 Uhr Öffentliche Aufführung
28.09.2024 19:30 & 21:00 Uhr Ausschnitte für Theaternacht
29.09.2024 15:00 Uhr Öffentliche Aufführung
03.10.2024 19:30 Uhr Öffentliche Aufführung
04.10.2024 18:00 Uhr Öffentliche Aufführung
05.10.2024 ´ 19:30 Uhr Öffentliche Aufführung
06.10.2024 15:00 Uhr Öffentliche Aufführung
Fotos: Constanze Martini
Andachtstext
von Pastorin Margrit Wegner
Dom zu Lübeck
Herbst 2024
Vielleicht ist es ein Papierflieger, der alles verändert. Vielleicht ist es die Leichtigkeit eines zerknüllten Papiers. Geschrieben im tiefsten Inneren, für unbedeutend befunden, nicht ausreichend. Zerknüllt und wutentbrannt aus dem Fenster geworfen. Fast vergessen. Andere haben es gefunden. Haben einen Flieger daraus gebastelt. Und der Papierflieger trägt die Gedanken in den Wind. Segelt durch die Luft. Spielerisch leicht, alles wie Traum und Haschen nach Wind. Ist wie eine Fahne von Fernen umgeben. Ahnt schon Winde, die kommen, und muss sie leben.
So zu erleben draußen im Zelt, wo Ea und Nicola Paravicini mit Ernesto Terri von Zampanos Welt erzählen. Vom großen Zampano, der sich eingeschlossen hat in seiner Behausung, in seinem Bett, mit dem leblosen Vogel. Er lebt in seiner eigenen Welt. Setzt keinen Fuß vor die Tür. Ist sich selber genug. Sein Teppich, sein Bett, sein Stuhl, sein Tisch und sein Vogel. All seine Schätze, hinter denen er sich quasi verbarrikadiert. Häuft keine Schätze auf der Erde an, sagt Jesus. Hier werden Motten und Rost sie zerfressen und Diebe einbrechen und sie stehlen. Zampano hat Angst vor denen, die zu ihm kommen und ihm vielleicht etwas wegnehmen könnten. Er wird auch wütend, als andere vor seinem Fenster tanzen und leben und lärmen. Er ist lieber allein. Und er schreibt. Ein paar Zeilen ringt er sich ab und zerknüllt sie gleich wieder. Schmeißt Papier um Papier aus dem Fenster. Bis die beiden lebensfrohen Menschen unter seinem Fenster seine Zeilen finden, sie glätten, Flieger daraus falten und versuchen, mit den Papierfliegern sein Fenster zu treffen. Und ein Flieger kehrt tatsächlich zurück. Häuft keine Schätze auf der Erde an. Hier werden Motten und Rost sie zerfressen und Diebe einbrechen und sie stehlen. Häuft euch vielmehr Schätze im Himmel an. Dort werden weder Motten noch Rost sie zerfressen und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
Mit dem Papierflieger kehrt die Leichtigkeit zurück in Zampanos Welt. Er verrückt sein Bett. Er schriebt es ans Fenster, knotet ein Seil daran und lässt sein altes Leben zurück. Hängt sein Herz nicht mehr an die alten Besitztümer. Wagt sich hinaus. Wagt Beziehung. Beginnt zögernd noch und zaghaft, zu tanzen und das Leben leichter zu nehmen. Aus dem Auge leuchtet das Innere des Menschen: Wenn dein Auge klar ist, wird dein ganzer Körper voller Licht sein. Wenn dein Auge aber trübe ist, dann ist dein ganzer Körper voller Dunkelheit. Wenn nun das Licht in dir dunkel ist, wie schrecklich ist dann die Dunkelheit.
In zauberhaften Bildern zeigt der Zirkus, wie einer den Weg aus der dunklen Einsamkeit in lichte Weite findet. Sein Bett nimmt und geht. Oder vielmehr tanzt. Und damit anderen Wege aufzeigt.
Wenn ich an diesem Erntedankfest überlege, was mich persönlich dankbar macht, welche Ideen gereift sind, welche Projekte Früchte tragen, dann fällt mir tatsächlich an erster Stelle der Circus ein, von dem wir gemeinsam letztes Jahr schon träumten und der nun Realität wurde. Was mich nach dem Besuch der Vorstellung besonders berührt hat: Die vielen Kinder, die da waren, sammelten die Papierflieger wie kostbare Schätze. Strichen die zerknüllten Papiere glatt und nahmen sie behutsam mit sich nach Hause. „Ich möchte auch einen Flieger haben“, das war ihr größter Wunsch. Vielleicht, um etwas vom dieser himmlischen Leichtigkeit mitzunehmen. Kein irdischer Schatz, sondern eine Ahnung von Licht und Liebe, von Tanz und Freundschaft. Die schenkt der Himmel. Amen
Ouvertüre -und dann und wann ein weißer Elefant...
Kreation in 2016
Zum Stück: Ist es nicht beruhigend, zu wissen, dass die Straße vor unserem Haus auch morgen noch an die gleichen Orte führt wie sie es schon gestern getan hat? Was würde passieren, wenn wir eines Morgens aufwachen würden und nichts mehr so wäre wie tags zuvor! Doch ist nicht schon immer alles anders? Sind wir nicht froh, dass sich nicht alles Tag um Tag kreisend wiederholt wie bei einem Karussell? Folgen Sie uns auf eine Reise voller unerwarteter Wendungen!